Engagement für die Kultur in Niederbayern und darüber hinaus − Auszeichnung erstmals in zwei Kategorien
Vilsbiburg. Besondere Verdienste um die Kultur in Niederbayern zeichnet der Bezirk Niederbayern seit 2016 mit dem Kulturpreis aus. Heuer wartete die Auszeichnung mit einer Neuerung auf: Erstmals wurde am vergangenen Donnerstagabend der Preis im Rahmen eines Festakts in zwei Kategorien verliehen – an Andreas Wiedermann in der Kategorie „Darstellende Kunst“ und Lambert Grasmann in der Kategorie „Heimatforschung“.
„Die Kulturpreisträgerinnen und -träger der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie facettenreich der weite Kulturbegriff sein kann, den der Bezirk verfolgt“, sagte Dr. Thomas Pröckl, Bezirkstagsvizepräsident und Vorsitzender des Kultur-, Jugend- und Sportausschusses, in seiner Begrüßung. Um diese Vielfalt noch stärker zu betonen, werde der Kulturpreis künftig jährlich in zwei Kategorien vergeben, die von Jahr zu Jahr wechseln. Den Anfang machten nun die Darstellende Kunst und die Heimatforschung – zwei sehr unterschiedliche Ausdrucksformen, die zugleich eine Gemeinsamkeit hätten: „Geschichte und Geschichten – das verbindet unsere heutigen Preisträger.“
Der stellvertretende Landrat Josef Reff dankte in seinem Grußwort den beiden Preisträgern für ihr Engagement für die Region sowie der Jury und dem Bezirk Niederbayern als Auslober des Kulturpreises.
Auch Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich betonte die Verbindung zwischen den beiden Ausgezeichneten: „Die Geschichte ist die Leidenschaft von Lambert Grasmann – Geschichten auf die Bühne zu bringen, das treibt Andreas Wiedermann an.“ Mit dem Kulturpreis wolle der Bezirk nicht allein das Vergangene würdigen, sondern Menschen auszeichnen, deren Wirken die Gesellschaft nachhaltig bereichere. Es gehe dabei auch um die Identität der Region, ihr kulturelles Erbe und das Gefühl von Heimat. Heimat entstehe dort, wo Menschen Wurzeln schlugen, sich einbrächten und Verantwortung für die Gemeinschaft übernähmen.
Lambert Grasmann: Ein Leben für die Heimatforschung
Diese Haltung habe Lambert Grasmann über beinahe sechs Jahrzehnte hinweg vorgelebt. Er gelte als das „enzyklopädische Gedächtnis der Stadt Vilsbiburg“, als unangefochtener „Keramikpapst“ und als einer der wichtigsten Experten für die Kröninger Hafnerei. Der 1937 in Vilsbiburg geborene Heimatforscher arbeitete hauptberuflich im Postdienst und widmete sich in jeder freien Minute der Geschichte seiner Heimatregion.
Von 1968 bis 2018 leitete er ehrenamtlich das Heimatmuseum Vilsbiburg, von 1996 bis 2008 war er Kreisheimatpfleger für den Landkreis Landshut. Mit zahlreichen archäologischen Grabungen, mehr als 70 Publikationen und der Initiative zur Translozierung der Görgenmannsölde in das Freilichtmuseum Massing leistete er einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung und Bewahrung der regionalen Geschichte. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit galt der Kröninger Hafnerei. Durch seine intensive Beschäftigung mit diesem alten Handwerk trug er entscheidend dazu bei, dass das Wissen darum nicht in Vergessenheit geriet. „Für Ihr Lebenswerk, Ihre unermüdliche Forschung und Ihren unschätzbaren Beitrag zur Identität unserer niederbayerischen Heimat ist es uns eine Ehre, Ihnen den Kulturpreis in der Kategorie ‚Heimatforschung‘ zu überreichen“, gratulierte der Bezirkstagspräsident.
Sichtlich bewegt nahm Lambert Grasmann die Auszeichnung entgegen. Er sei von der Ehrung sehr überrascht worden, betonte aber, dass ein solches Lebenswerk in ausschließlich ehrenamtlicher Arbeit niemals allein entstehe. Deshalb dankte er insbesondere seinen Mitarbeitenden, dem Museumsteam und seiner Frau, die ihm all die Jahre den Rücken freigehalten habe.
Andreas Wiedermann: Theater mit „Gründungssucht“
„Gründungssucht“ und Ideenreichtum seien es, die den zweiten Preisträger auszeichneten, sagte Dr. Heinrich in seiner Laudatio: Andreas Wiedermann. Die Begeisterung für die Bühne zeigte sich bei dem 1978 in Deggendorf geborenen Regisseur bereits früh – in der Theater-AG am Straubinger Johannes-Turmair-Gymnasium und bei zahlreichen Theater- und Opernbesuchen mit seinen Eltern.
Wiedermann studierte Regie am Salzburger Mozarteum und assistierte unter anderem den renommierten Theaterregisseuren Peter Zadek und Andrea Breth. Statt dauerhaft an einem öffentlichen Haus zu bleiben, kehrte er jedoch immer wieder zu eigenen Ideen zurück und lebte seine „Gründungssucht“ aus – wie Wiedermann es selbst bezeichnet. 1998 gründete er die freie Compagnie Theater Impuls, 2005 folgte gemeinsam mit Ernst Bartmann die Opera Incognita, 2014 entstand das Theater Plan B. Seit 2010 führt Wiedermann zudem Regie bei den Plattlinger Nibelungenspielen.
„Andreas Wiedermann ist nicht nur Regisseur. Er ist gleichzeitig sein eigener Intendant und sein eigener kaufmännischer Geschäftsführer“, hob Dr. Heinrich hervor. Das erfordere neben künstlerischem Gespür auch kaufmännische Präzision, Risikobereitschaft, Erfahrung und eiserne Disziplin.
Besonders auszeichnend sei, dass Wiedermann hochkarätiges, professionelles und anspruchsvolles Theater direkt zu den Menschen nach Niederbayern bringe. Dabei gelinge es ihm, professionelle Schauspieler und engagierte Laiendarsteller zusammenzuführen und insbesondere jungen Menschen eine Bühne zu geben. Er lasse sie über sich hinauswachsen und zeige ihnen, dass Live-Theater eine besondere Unmittelbarkeit und Faszination entfalten könne. „Ihre Arbeit ist unverzichtbar für unsere Heimat Niederbayern.“
In seiner Dankesrede blickte Andreas Wiedermann auf die Anfänge seiner Theaterarbeit in der Schulzeit zurück. „Wir waren zeitweise länger in Theaterproben als im Unterricht“, erinnerte er sich mit einem Augenzwinkern. Vor 30 Jahren habe man zunächst Verrisse in der Presse einstecken müssen. Doch das habe ihn eher gestärkt: „Insofern habe ich erfahren: Wer in Niederbayern besteht, schafft es eigentlich überall hin.“ Zugleich betonte Wiedermann, dass Theater immer Mannschaftssport sei. Sein Dank galt deshalb allen Mitwirkenden, die ihn über die Jahrzehnte begleitet hätten – insgesamt mehrere Hundert. Zum Abschluss richtete er den Blick nach vorn: „Ich glaube, dass Kreativität und Fantasie das ist, was die nächsten Jahre extrem gebraucht wird.“
Die Kategorien für den Kulturpreis 2027 werden Anfang des Jahres bekanntgegeben. Bewerbungen können bis 31. März eingereicht werden. Mehr dazu hier.
Bildunterschriften:
Im Bild, v. l. (9622): Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl, Lambert Grasmann, Andreas Wiedermann, Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich und Sibylle Entwistle, Bezirksrätin und Bürgermeisterin der Stadt Vilsbiburg
(9557): Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich und Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl mit Lambert Grasmann und Ehegattin
(9599): Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich und Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas gratulierten Andreas Wiedermann
Fotos: Bezirk Niederbayern, Sabine Bäter

